Druckgrafik

SpB-0173

Im Verhältnis zu seinen Gemälden und Zeichnungen nimmt Willi Baumeisters druckgrafisches Oeuvre in seinem Gesamtwerk nur einen bescheidenen Raum ein. Gleichwohl ist die künstlerische Bedeutung der rund 150 Lithografien, etwa 70 Serigrafien, 9 Radierungen sowie einiger weniger Holz- und Linolschnitte unbestritten.

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Zwischen 1919 und 1943 war die Lithographie (gemeinsam mit dem verwandten Offsetdruck) das einzige von Willi Baumeister benutzte originalgrafische Druckverfahren. Insgesamt schuf er bis 1955 rund 150 Blätter, die zusätzlich zu den Gemälden wichtige Akzente der jeweiligen Werkphase setzen.

Da er zumindest in den Anfangsjahren einem von Zufälligkeiten bestimmten Charakter seiner Arbeiten nur wenig abgewinnen konnte, verzichtete er weitgehend auf die Techniken des Holz- und Linolschnitts sowie der Radierung.

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Die Technik des Seidensiebdrucks wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch in Deutschland bekannt durch Ausstellungen der Amerika-Häuser, die 1945/46 mit dem Ziel gegründet worden waren, den Austausch zwischen Deutschen und Amerikanern und das gegenseitige Interesse für die jeweilige Kultur zu fördern. Willi Baumeister sah eine solche Ausstellung erstmals 1948 und erkannte, dass sich manche seiner künstlerischen Absichten mit Hilfe des Siebdrucks optimal verwirklichen ließen, inbesondere der intensive Einsatz von Farbe und der Druck ohne manuelle Spuren.

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Die Radierung wie auch weitere Ätz- und Ritztechniken spielen im druckgrafischen Werk Willi Baumeisters keine nennenswerte Rolle. Es sind lediglich neun Arbeiten bekannt - je drei aus den Jahren 1943, 1947 und 1952.

WVZ Kermer 035

Willi Baumeister machte schon früh als Schrift- und Reklamegestalter von sich reden. In den 1920er und frühen 1930er Jahren trug er durch seine praktischen Arbeiten, aber auch durch theoretische Schriften viel zur Entwicklung von Typografie und Werbegrafik in Deutschland und Europa bei. Dreieinhalb Jahrzehnte durchzieht dies wie ein roter Faden sein Werk. Dennoch blieben diese Betätigungsfelder bis weit nach seinem Tod unterschätzt und unbeachtet.