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Willi Baumeister, Darstellung des schöpferischen Winkels, aus ‚Das Unbekannte in der Kunst‘, Stuttgart 1947.

Aus­stel­lung in der Gale­rie Tho­man

Aus­stel­lung

Gelin­gen. Gelin­gen

20. März 2026–20. Mai 2026

Einen „schöp­fe­ri­schen Win­kel“ nann­te Maler Wil­li Bau­meis­ter die Abwei­chung vom künst­le­risch gewünsch­ten Ziel auf­grund der Wider­stän­dig­keit des Mate­ri­als. Und er sah die­se Ein­mi­schung als wesent­lich für das Ent­ste­hen von Kunst. Die Aus­stel­lung zum „Gelin­gen“ will an die­sen Pro­zess, der dem Wil­len nicht völ­lig unter­liegt, erin­nern. In den Bestän­den der Gale­rie Eli­sa­beth & Klaus Tho­man fin­den sich vie­le Arbei­ten, bei denen das Rin­gen von Idee und Mate­ri­al glück­lich aus­ge­gan­gen ist. Wobei das Ergeb­nis umso spek­ta­ku­lä­rer aus­fällt, je ris­kan­ter die Vor­zei­chen gesetzt sind.

Éva Bod­nárs Male­rei­en lie­fer­ten des­halb ein Leit­mo­tiv für die Aus­stel­lung: Beim ers­ten Hin­se­hen wirkt das eher zufäl­lig und unkon­trol­liert,
doch bei nähe­rer Betrach­tung ent­steht ein durch­aus zwin­gen­des Resul­tat. Auf das laten­te Miss­ver­ste­hen spielt Mai-Thu Per­ret mit dem Titel einer ihrer Skulp­tu­ren an: „Weil er das Juwel nicht sah, hielt er es für Abfall“ (Una­wa­re it was a jewel, he thought it just rub­ble, 2020, Kera­mik gla­siert).
Die Male­rei ist immer schon jene künst­le­ri­sche Dis­zi­plin gewe­sen, die die Idee aus dem Pro­zess ent­ste­hen las­sen woll­te. (Ähn­lich wie bei der Kera­mik, deren Gestal­tungs­pro­zes­se eine wei­te­re Skulp­tur von Mai-Thu Per­ret ver­an­schau­licht.) Sarah Bech­ter und Johan­nes Wohns­ei­fer lie­fern mit ihren Arbei­ten alter­na­ti­ve Metho­den des Gelin­gens. Bech­ter bringt die Batik ins Spiel, bei der sich Farb­ver­läu­fe nicht völ­lig kon­trol­lie­ren las­sen. Zufalls­for­men wer­den dann male­risch zu Figu­ren kon­kre­ti­siert. Die Pola­roid-Pain­tings (2017–2024) von Johan­nes Wohns­ei­fer set­zen die Male­rei ins Ver­hält­nis zur tech­ni­schen Repro­duk­ti­on, zur Foto­gra­fie. Was dort ein Ver­sa­gen gewe­sen ist, reiht sich hier ganz selbst­ver­ständ­lich in
die Geschich­te male­ri­scher Abs­trak­ti­on ein, ohne dass der Maler selbst über­haupt zu irgend­ei­ner Form­fin­dung gezwun­gen zu sein scheint. Die Win­kel­zü­ge des Mate­ri­als müs­sen gele­gent­lich als „Feh­ler“ bewer­tet wer­den.

Jeden­falls ist die tra­di­tio­nel­le Form­fin­dung im „schöp­fe­ri­schen Win­kel“ durch die Tech­nik (eben­so wie durch die kon­zep­tu­el­le Kunst) unter­gra­ben wor­den. Dar­auf spielt das Video final play (2013) von Julia Bor­ne­feld, das einen bren­nen­den Flü­gel vor­führt und dabei zwi­schen Dar­stel­lung und Abs­trak­ti­on oszil­liert. Der Aus­hand­lungs­pro­zess zwi­schen Idee und Mate­ri­al beginnt zwangs­läu­fig im Abs­trak­ten, bei der rei­nen Stoff­lich­keit. Erst im Arbeits­pro­zess gewinnt das Werk Bedeu­tung, ent­ste­hen bedeu­tungs­haf­te For­men, die auf die Wirk­lich­keit außer­halb des Bil­des ver­wei­sen.

Die Span­nung zwi­schen Abs­trak­ti­on und Dar­stel­lung ist also ein zwei­tes Motiv in die­ser Aus­stel­lung. Mit einer zar­ten, zeich­ne­ri­schen Inter­ven­ti­on auf einem der gro­ßen Schau­fens­ter, die – wie Oswald Ober­hu­bers Num­mern­bild – an Duch­amp gemahnt, macht Paul Thuil auf die­sen insta­bi­len Rea­li­täts­be­zug auf­merk­sam. Der Auf­tritt der bei­den Senio­ren, Ober­hu­ber
und Giron­co­li, deu­tet dar­auf hin, dass das Gelin­gen kei­nes­wegs ein bloß aktu­el­les Phä­no­men ist.

JULIA BORNEFELD, JOHANNES WOHNSEIFER,
SARAH BECHTER, PAUL THUILE, MAI-THU PERRET,
ÉVA BODNÁR (in der Rei­hen­fol­ge ihres Auf­tre­tens)
BRUNO GIRONCOLI, OSWALD OBERHUBER (Came­os)
Ste­phan Schmidt-Wulffen (Kura­tor)

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